BERLIN.
Mit der eindringlichen Mahnung, eines der dunkelsten Kapitel der
deutschen Teilung nicht zu vergessen, hat Berlin gestern des Mauerbaus vor
39 Jahren gedacht.
Mit Ansprachen und Kranzniederlegungen erinnerten Politiker und ausländische
Gäste auf zahlreichen Gedenkfeiern an die Opfer des 28-jährigen
DDR-Grenzregimes.
Im Berliner Bezirk Kreuzberg präsentierte das Museum "Haus am
Checkpoint Charlie" am Mittag den originalgetreuen Nachbau des ersten
alliierten Grenzpostens in der einst geteilten Stadt.
"Uns Zeitgenossen bleibt die Aufgabe, zu retten, was war",
sagte der Direktor des Mauermuseums, Rainer Hildebrandt.
Er hatte den rund 200 000 Mark teuren Nachbau der einstigen
Kontrollbaracke der US-Streitkräfte angeregt.
Der
so genannte Checkpoint Charlie war mehrmals Schauplatz weltgeschichtlicher
Ereignisse.
Im Oktober 1961 standen sich hier amerikanische und russische Panzer
gegenüber.
Am 17.
August 1962 wurde der 18-jährige Flüchtling Peter Fechter in
unmittelbarer Nähe an der Grenze angeschossen und verblutete im so
genannten Todesstreifen.
Mit einer Kranzniederlegung erinnerte das Land Berlin an Fechters Tod. Zur
Erinnerung war in der Zimmerstraße in Kreuzberg eine bronzefarbene 2,40
Meter hohe Metallsäule des Bildhauers Karl Biedermann errichtet worden.
An
der hessisch-thüringischen Grenze wurde ein Denkmal am ehemaligen US-Stützpunkt"Point
Alpha" enthüllt worden.
Das Mahnmal zwischen Geisa und Rasdorf ist den Opfern der deutschen
Teilung, den Mutigen der friedlichen Revolution von 1989 und den Erbauern
der Wiedervereinigung gewidmet.
Die Ministerpräsidenten Hessens und Thüringens, Roland Koch und
Bernhard Vogel (beide CDU), betonten bei einer Feierstunde, die leidvolle
Erfahrung der deutschen Teilung dürfe nicht in Vergessenheit geraten.
Im
Morgengrauen des 13.
August 1961 hatte der Mauerbau unter Leitung des späteren Staats-
und SED-Chefs Erich Honecker begonnen.
Von 1961 bis 1989 flohen dennoch etwa 40 000 Menschen auf
abenteuerlichem Weg in den Westen.
Mindestens 78 aber kamen bei Fluchtversuchen an der Mauer ums Leben.
Zur Zahl der Toten gibt es unterschiedliche Zählweisen.
Der Berliner Staatsanwaltschaft sind rund 270 getötete Flüchtlinge
an der innerdeutschen Grenze bekannt, die durch direkte Gewaltanwendung wie
Schüsse oder Minen ums Leben kamen.
Dagegen spricht die "Arbeitsgemeinschaft 13.
August" nach neuesten Recherchen von 957 Toten durch das
Grenzregime in den Jahren 1948 bis 1989.
Sie zählt unter anderem auch Fälle ohne Fremdeinwirkungen - wie
Ertrunkene in der Ostsee - mit. dpa
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