Elf Jahre nach dem Fall der Mauer steht am
einstigen Grenzübergang Checkpoint Charlie wieder eine
Grenzkontroll-Baracke. Der originalgetreue Nachbau des alliierten
Kontrollhauses auf dem Mittelstreifen der Friedrichstraße wurde am Sonntag,
dem 39. Jahrestag des Mauerbaus, enthüllt.
200 000 Mark kostete der Nachbau, der von der
"Arbeitsgemeinschaft 13. August" initiiert und durch Spenden
finanziert wurde. An der Enthüllung nahmen unter anderen Tino Schwierzina,
der letzte Oberbürgermeister Ost-Berlins, und die frühere Senatorin Ingrid
Stahmer (beide SPD) teil sowie Vertreter der russischen, englischen und
amerikanischen Botschaften.
Die erste Kontrollbaracke
am
Checkpoint Charlie war am 22. September 1961 errichtet worden. Einen Monat später standen sich
dort amerikanische und russische Panzer gegenüber. Das Kontrollhäuschen
wurde nach dem Fall der Mauer im Juni 1990 im Beisein der vier Außenminister
der ehemaligen Alliierten sowie Vertretern der beiden deutschen Staaten
abgebaut.
"Eine Fehlentscheidung", wie
Alexandra Hildebrandt vom Mauermuseum sagt. Dennoch versucht sie eine
Erklärung:
"Nach dem Mauerfall herrschte eine so große Euphorie, dass die Leute
nichts mehr sehen wollten von der Teilung. Und jetzt finden sie es schade,
dass nichts zu sehen ist." Um das zu ändern, startete das Museum
bereits 1993 die Initiative "Rettet historischen Boden am Checkpoint
Charlie. Seit 1998 steht deshalb das Schild "You are leaving the
american sektor" wieder am Checkpoint Charlie.
Der Wiederaufbau des Grenzkontroll-Häuschens
brachte jedoch einige Schwierigkeiten mit sich, da die alten
Konstruktionszeichnungen verschwunden waren. So musste die ursprüngliche Größe
anhand von alten Fotos ermittelt werden. Nicht originalgetreu sind lediglich
die Sandsäcke vor der Baracke: Um Souvenirjäger nicht zu locken, sind sie
nicht mit Sand, sondern mit Beton gefüllt.
Mit
einer Kranzniederlegung gedachte der Senat am Sonntag auch des Maueropfers
Peter Fechter. Zahlreiche Landespolitiker, darunter der Chef der
Senatskanzlei, Volker Kähne, erinnerten damit an den Bau der Berliner Mauer
am 13. August. Fechter war am 17. August 1962 an der Grenze zu Kreuzberg
angeschossen worden und im Todesstreifen verblutet. Nach Recherchen der
"Arbeitsgemeinschaft 13. August" sind von 1948 bis 1989 insgesamt
957 Menschen an der deutsch-deutschen Grenze umgekommen. (cls., mit dpa)
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